Aktuelles Projekt

Pränataldiagnostik
im Diskurs

Ein Diskurs an der Schnittstelle von Medizin,
lebenswissenschaftlicher Forschung, Sozialwissenschaften, Philosophie,
Journalismus und Sozialer Arbeit über die soziale Dimension der Pränataldiagnostik (PND).

Das Projekt

Reproduktionsmedizin und Pränataldiagnostik (PND) machen immer größere Fortschritte. Insbesondere bei so genannten „Risikoschwangerschaften“ kann eine genetische PND besorgten Eltern oft Gewissheit geben. Bislang kommt genetische PND nur bei einer geringen Zahl der Schwangerschaften zum Einsatz und wird von den gesetzlichen Krankenkassen nur dann bezahlt, wenn sie medizinisch indiziert ist. Gleichwohl gehört sie als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) zum Standardangebot der medizinischen Schwangerschaftsbegleitung und erfordert nicht selten auch von denjenigen Eltern eine Auseinandersetzung mit dem Thema, die eine solche Untersuchung letztendlich nicht in Anspruch nehmen. Dasselbe gilt für in der Schwangerschaftsberatung und -begleitung Arbeitende. Neben Fragen, wie der, ob diese Entwicklung in die Richtung eines Screeningprogramms für die Gesamtbevölkerung geht, erfordert der zunehmend normal werdende Einsatz von genetischer PND die Diskussion, ob dadurch die Einstellung zu Schwangerschaft, Leben und insbesondere Behinderung nachteilig beeinflusst wird.

Ziel des interdisziplinären Diskurses ist die Erarbeitung eines policy-papers zum Umgang mit genetischer Diagnostik vor allem im Bereich der Pränataldiagnostik. Dazu soll der akademische Diskurs durch weitere Perspektiven erweitert werden – vor allem durch die in der Beratung Schwangerer und in der Hilfe für Menschen mit Behinderungen tätigen Sozialen Arbeit und zudem durch den journalistischen Blick auf die Bedeutung medialer Vermittlung neuer Entwicklungen der Lebenswissenschaften und der medizinischen Praxis. Die soziale Bedeutung der Diagnostik und die ihr zugrundeliegenden Begriffe von Normalität, Behinderung und Schwangerschaft sollen dabei ebenso herausgearbeitet werden. Der Diskurs an der Schnittstelle von Medizin, lebenswissenschaftlicher Forschung, Sozialwissenschaften, Philosophie, Journalismus und Sozialer Arbeit will dadurch zur Rationalisierung der Wahrnehmung von Risiken und Chancen genetischer Pränataldiagnostik beitragen.